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Wie   eine  unsoziale  Schulpolitik das Kindeswohl missachtet

Im beschaulichen Kleve, nahe  an der niederländischen Grenze gelegen, ist der Schulkampf ausgebrochen. Es kämpfen nicht Schüler gegen unbeliebte Lehrer, wie dies ab und zu vorkommt  – nein, Eltern gehen auf die Barrikaden, weil sie ihre Kinder durch die von oben verordnete Zuweisung zu einer weiterführenden Schule benachteiligt sehen. Am 21. Februar wollen sich die Eltern mit ihren Kindern vor dem Gebäude des Rats der Stadt zum Protest versammeln. Was war geschehen?

Der Rat der Stadt Kleve hatte die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule beschlossen. Um die Schule mit Schülern „aufzufüllen“, werden Schüler, die sich für die beiden Gymnasien „Freiherr vom Stein“ und „Konrad Adenauer“  und  für die „Karl-Kisters-Realschule“ angemeldet haben, „umverteilt“. Das einzig  pädagogisch sinnvolle Verfahren, dass man beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule das Grundschulgutachten zugrunde legt, also die Einschulung nach Leistung und Eignung vornimmt, wird durch ein pseudodemokratisches Losverfahren ersetzt. Es kann also passieren, dass ein Schüler nicht in der nächstliegenden Schule landet, sondern jeden Tag  weite Wege zurücklegen muss, um in eine  Schule zu kommen, in die er gar nicht gehen wollte. Schulpsychologen sind der Meinung, dass  wohnortnahe Schulen  immer vorzuziehen sind, weil die Kinder bei entfernten Schulen auf der Fahrt  viel  Zeit verlieren und dabei  unnötig Kräfte verausgaben, die sie sinnvoller in ihre  Freizeitgestaltung investieren könnten.

Das Losverfahren   kann auch bewirken, dass eine kleine Schülergruppe, die sich von der Grundschule her kennt und die sich gemeinsam an einer der drei genannten Schulen angemeldet hat, brutal auseinander gerissen wird. Jeder Pädagoge weiß, wie wichtig für Schüler die Einbindung in eine vertrauensvolle Gemeinschaft ist und wie gut man lernen kann, wenn man sich sozial aufgehoben fühlt. Die Politik sieht das offensichtlich anders. Sie will ihr übergeordnetes schulpolitisches Ziel „durchziehen“: Schwächung der Gymnasien und Stärkung der Schulform, die  sie für prädestiniert hält, egalitäres Lernen zu verwirklichen: die Gesamtschule. Wenn man eine politische Agenda hat,  kommt es auf den sonst immer beschworenen „sozialen Zusammenhalt“ nicht mehr an.

SPD und Grüne sind inzwischen überall, wo sie regieren, in der Schulpolitik vom Leistungsgedanken abgerückt. Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen treibt die Leistungsfeindlichkeit noch auf die Spitze, wenn sie die Zuweisung von Schülern nach ihrer Eignung als „Selektion“ denunziert. Der hintergründige  verbale  Verweis auf die Selektion der KZ-Opfer an der Rampe in Auschwitz ist  bewusst gewählt. Er soll die Eltern, die auf eine begabungsgerechte Einschulung pochen, ins moralische Abseits stellen.

Als Lehrer konnte ich noch nie verstehen, warum es so wenig populär ist, auch im Bildungssystem am Leistungsgedanken festzuhalten. Warum setzen die Eltern dem  Mantra vom „gemeinsamen Lernen“  keinen größeren Widerstand entgegen?  Im Show-Business und  im Sport gilt es als selbstverständlich, dass der Sieger oder die Siegerin im harten Ausscheidungswettbewerb ermittelt wird. Spitzenkönner werden wie Ikonen verehrt und in die Hall of Fame aufgenommen. Kein Mensch käme auf die Idee, in die deutsche Fußballnationalmannschaft einige Spieler aus der Kreisklasse aufzunehmen, damit der  Chancengleichheit und der sozialen Gerechtigkeit Genüge getan wird.  Warum will man in der Bildung die „Einheitskost“, indem man diejenigen, die die Masse an Geistesgaben überragen, an der optimalen Entfaltung ihrer Anlagen hindert? Anscheinend ist es kränkender, weniger intelligent zu sein als weniger sportlich. Die Vertreter der Gleichheit in der Bildung  können es nicht ertragen, dass ein Gut wie die Intelligenz nicht gerecht unter den Kindern und Jugendlichen verteilt ist, weil der eine offensichtlich mehr von diesem kostbaren „Rohstoff“ abbekommen hat als der andere. Der Kampf um die egalitäre Schule, der zum Kernbestand der Bildungspolitik von Rot-Grün gehört, ist Ausdruck einer tief sitzenden Kränkung darüber, dass es junge Menschen gibt, denen – unverdient – alles zufliegt, weil sie das Glück haben, in bildungsbewussten  Elternhäusern heranzuwachsen, während andere – unverschuldet – in Milieus hineingeboren werden, die sie von Anfang an in ihrer geistigen Entwicklung benachteiligen. Man geht nicht fehl, wenn man eine solche Schulpolitik als Politik des Neides bezeichnet.

Für zwei Parteien, die für sich reklamieren, die „soziale Gerechtigkeit“ an erste Stelle zu setzen, ist vor allem  die Schülerlotterie  ein Offenbarungseid. Man stelle sich vor, es gäbe in Landkreis Kleve zwei Krankenhäuser, die sich auf unterschiedliche Krankheiten spezialisiert haben. Statt den Bürgern die freie Wahl der Klinik zu überlassen, beschlösse  Rot-Grün, die Patienten durch Losverfahren zuzuteilen, damit die beiden Kliniken gleich gut ausgelastet sind. Ein Aufschrei des Entsetzens  in der Öffentlichkeit  wäre gewiss. In der Schulpolitik versucht man klammheimlich dasselbe unsoziale Prinzip durchzudrücken und hofft, dass die Eltern still halten und sich nicht wehren.

Die Landesregierung in Düsseldorf  könnte sich  dieses Mal verrechnet haben. Die Wut der Eltern in Kleve  ist groß und die Gründe für den Protest sind so plausibel, dass sich nur  verstockte Partei-Ideologen ihren Argumenten verschließen können.  Eine Mutter drückte ihre Fassungslosigkeit über die  obrigkeitsstaatliche Willkür gegenüber  einer  Lokalzeitung so aus: „Ich möchte, dass meine Tochter zur Realschule geht. Warum soll sie in die Oberstadt fahren, nur damit dort die Gesamtschule gefüllt wird?“ – Damit tritt die Mutter den Kern der Sache: Die Grundschulkinder von Kleve  müssen als  Manövriermasse für eine Politik herhalten, die sich nicht mehr am Kindeswohl orientiert, sondern an parteipolitischen Utopien. Und der Elternwille gilt bei Rot-Grün nur, wenn er mit der Regierungspolitik kompatibel ist.

Ich kann den  Eltern in Kleve  nur raten, beharrlich für ihre und ihrer Kinder Interessen einzutreten. Dass solcher Elternprotest erfolgreich sein kann, zeigen Beispiele aus Baden-Württemberg, wo die Gründung von Gemeinschaftschulen durch Bürgerbegehren verhindert wurde. Auch in Hamburg hat die Regierung eine Niederlage erlitten, als sie dem Gymnasium die unteren beiden Klassen wegnehmen wollte. Eine Volksabstimmung machte die Pläne zunichte.

Im Mai wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Wahlzeiten sind sensible Zeiten, in denen  die Parteien ausnahmsweise auf die Bürger hören. Die Eltern sollten  ihre Wahlkreiskandidaten zur Rede stellten und sie aufforderten, sich zur unsozialen Schülerlotterie in Kleve  zu äußern.

33 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

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    Thomas Schweighäuser
    22. Februar 2017 23:10

    Finde den Unterschied zwischen den beiden Aussagen!
    a) „Als Lehrer konnte ich noch nie verstehen, warum es so wenig populär ist, auch im Bildungssystem am Leistungsgedanken festzuhalten.“
    b) „Der Kampf um die egalitäre Schule (…) ist Ausdruck einer tief sitzenden Kränkung darüber, dass es junge Menschen gibt, denen – unverdient – alles zufliegt, weil sie das Glück haben, in bildungsbewussten Elternhäusern heranzuwachsen, während andere – unverschuldet – in Milieus hineingeboren werden, die sie von Anfang an in ihrer geistigen Entwicklung benachteiligen.“
    Findest du keinen Unterschied, darfst du trotzdem „35 Jahre lang an einer Gesamtschule, einem reformpädagogischen Internat und einem Gymnasium jeweils in Berlin unterrichtet“ haben und immer noch Leistung und Herkunft miteinander verwechseln. Schlau ist das nicht unbedingt.
    Und weil du schreiben darfst, was du willst, darfst du auch noch unbewiesen behaupten, „der hintergründige verbale Verweis auf die Selektion der KZ-Opfer an der Rampe in Auschwitz“ sei nicht von dir behauptet, sondern „bewusst gewählt“ und diene dazu, “ die Eltern, die auf eine begabungsgerechte Einschulung pochen, ins moralische Abseits“ zu stellen.
    Dabei gibt es Leute, die stehen selbst vom moralischen Abseits meilenweit entfernt.

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      Rainer Werner
      23. Februar 2017 11:24

      @Thomas Schweighäuser
      Jedem Lehrer – also auch mir – ist bewusst, dass das intellektuelle Vermögen von Schülern auf die genetische Ausstattung u n d auf die mehr oder weniger anregende Förderung im Elternhaus, also auf einen sozialen Aspekt, zurückgeht. Rot-grüne Bildungskonzepte intendieren, die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern dadurch auszugleichen, dass sie nur noch Klassen zulassen (wollen), in denen die Schüler aller sozialen Schichten und aller Begabungen gemeinsam unterrichtet werden. Das nenne ich dann egalitär. Die konservativen Parteien (CDU/CSU, auch Teile der FDP) wollen die Kinder so organisieren, dass Kinder gleicher Begabung gemeinsam unterrichtet werden, weil dann die Lernerfolge besser sind, was Studien auch bewiesen haben. Wo ist also das Problem? Die Alternativen liegen klar auf dem Tisch und die Eltern sollten die Wahl haben, in welche Schulform (inklusive Privatschulen) sie ihre Kinder schicken wollen. Indirekten Zwang – z.B. durch ein Losverfahren – lehne ich ab, weil er undemokratisch ist. Zwang entbindet zudem die Schulen, die von den Eltern nicht gewählt werden, von der Pflicht, ihre Arbeit auf den Prüfstand zu stellen, um besser zu werden.

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  • Soll das Humor sein, Ziegler?:

    „So ist es, Herr Werner. Und die Tatsache, dass Rotgrün diese Schnelllernklassen mit Misstrauen beäugt, bedeutet für Oleander, denblondenhans und KJN die unmittelbare Umwertung dieser Schulform vom Schlechten ins Gute.“

    Hatte nichts dagegen vorgebracht, sondern nur über die drei -l- geklagt.
    Muss allerdings wie Blondhans sagen, dass nur gut sein kann, was RG schlecht findet. RG will ja bekanntlich klassenlos mit Umverteilung, nur ernsthaft, wenn du alles nivellierst, ist keine Leistung und nix mehr zum Umverteilen da. Da machen dann alle wie gehabt die 15 (Arbeiterdenkmal). Das sind Leute, die gern Illusionen wecken, und wenn keiner mehr hinhört, holen sie neue.

    Übrigens, Herr Werner, manche Kinder brauchen inzwischen Minderheitenschutz, wenn sie Streber genannt und bespuckt werden.

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      Roland Ziegler
      23. Februar 2017 11:00

      Humor soll das auf keinen Fall sein, Oleander. Ich habe keinen, amüsiere mich aber trotzdem.

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    Klaus J. Nick
    22. Februar 2017 19:41

    @Roland Ziegler
    „Und die Tatsache, dass Rotgrün diese Schnelllernklassen mit Misstrauen beäugt, bedeutet für Oleander, denblondenhans und KJN die unmittelbare Umwertung dieser Schulform vom Schlechten ins Gute.“
    Was mich betrifft, versuche ich zumindest, selber zu werten, bzw. am roten, grünen oder auch schwarzen (auch am blauen) Lack zu kratzen. Allerdings geht es mir auch hier so, wie hans und Oleander: Die ‚Schnelllernklasse‘ mit 3 l hat bei mir heuschnupfenartige Immun(über)reaktionen hervorgerufen, die allerdings auch ihre Gründe haben, die ich oft genug hier an Beispielen angeführt habe. Und im Übrigen werfe ich niemendem ‚falsche‘ Schlüsse vor (ich denke nicht in ‚falsch‘ und ‚richtig‘), wie z.B. ‚mehr Wettbewerb‘ oder ‚mehr Sozialstaat‘ sondern Inkonsistenz bzw. Tarnen & Täuschen wie die linken Neuherren in ‚Animal Farm‘ bzw. die ‚Grünen‘. Und dabei sortiere ich bisweilen falsch ein, ja. Gut, daß Sie da weniger hitzköpfig und abgeklärter sind.

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    Klaus J. Nick
    22. Februar 2017 16:47

    @Rainer Werner
    Vielen Dank für die Aufklärung. Da bin ich wohl in Richtung der falschen Windmühle geritten. Ich vermute mal, Langeweile im Unterricht hat auch viel mit heterogenem Verhalten zu tun und nicht nur mit heterogenen Begabungen. Aber das ist sicher ein anderes Thema.

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    derblondehans
    20. Februar 2017 11:53

    … tja, das hatten wir schon, das bunt geschmückte Narrenschiff Utopia, in dem ein Grüner und zwei Rote …

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      Othmar Kaufmann
      20. Februar 2017 19:19

      Im Narrenschiff Utopia sitzen heute x „Grüne“, y „Rote“ und z „postschwarze“.
      Die Nachfolger von Strauß sind Bären, die sich nicht zu mucksen, aber keine Zähne haben.
      Bleibt bei allem Bauchgrimmen nur eine Alternative für Deutschland

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    Roland Ziegler
    20. Februar 2017 10:30

    …Korrektur: bei dem R.L.-G in Pankow sinds 90 Plätze (3 Klassen).

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    Roland Ziegler
    20. Februar 2017 10:29

    Ich kenne den Fall Klewe nicht, aber es hört sich so an, als wären die zitieren „Freiherr vom Stein“-, „Konrad Adenauer“- und „Karl-Kisters“-Schulen überfüllt? Hier in Berlin ist das entscheidende Prolem, dass zu wenig Plätze in den zentral gelegenen Gymnasien zur Verfügung stehen. Wenn man sich an dem Rosa-Luxemburg.Gymnasium in Pankow anmelden will, muss man eine Eignungsprüfung machen. Wenn man die besteht, sollte man auf diese Schule gehen können. Stattdessen drängeln sich 150 geeignete Bewerber auf 60 verfügbare Plätze. Am Händelgymnasikum sind es 120 Bewerber für 60 Plätze. Hier muss Geld in die Hand genommen werden, um so viele Plätze zu schaffen, wie es geeignete ud interessierte Kinder gibt.

    Also: die angebl., sprudelnden Steuern für Schulplätze einsetzen. Lehrer einstellen. Wenn keine da sind: Bezüge so lange erhöhen, bis welche kommen. Wenn zu wenig Steuern da sind: Steuern erhöhen.

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      Roland Ziegler
      20. Februar 2017 10:36

      Nochwas: ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Grundschul-Förderprognosen hirnrissig sind und abgeschafft werden sollten. Für den Sachverhalt, dass ein Kind still ist und während des Unterrichts statt sich eifrig zu melden lieber aus dem Fenster guckt, gibt es zwei mögliche Erklärungen: entweder ist es noch sehr kindlich oder der Unterricht ist sterbenslangweilig. In der Prognose wird in 100 % aller Fälle (nein, nicht in 90 oder 99 %, sondern in 100%) stehen, dass das Kind noch recht kindlich und der Unterricht genau richtig und vom Gymnasiumswechsel abzuraten ist.

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        Othmar Kaufmann
        20. Februar 2017 19:13

        Welche Kriterien und Auswahlvefahren statt Förderprognosen für Gymnasiumswechsel sollte man Ihres Erachtens in Anschlag bringen?

        by the way: nicht Klewe, sondern Kleve

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        Roland Ziegler
        20. Februar 2017 21:48

        @Othmar Kaufmann: Kleve, stimmt. Zeugniszensuren + Eignungstest. Keine Förderprognose, die ist zu subjektiv.

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        derblondehans
        21. Februar 2017 07:00

        … ich halte ‚Zeugniszensuren + Eignungstest‘, ebenso wie die ‚Förderprognose‘, nur bedingt für den Schulwechsel tauglich. Es sind letztendlich nur ‚Momentaufnahmen‘. Niemand kann die Entwicklung eines Kindes vorhersagen. Die Erziehungsberechtigten sollten Daher! allein die Wahl für weiterführende Schulen treffen. Einzig ein NC darf ‚mitreden‘.

        Das funktioniert so, bisher, in MV mit Grundschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium, Europaschule, konfessionelle Schulen, Privatschulen, einschließlich schönster Landschaft der Welt, ganz gut.

        Freunde, lassen wir uns das nicht von (krankhafter) Verantwortungslosigkeit nehmen.

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        Othmar Kaufmann
        21. Februar 2017 08:23

        Lieber Roland Ziegler, ich glaube, das könnte Sie ebenso begeistern wie mich:
        https://www.youtube.com/watch?v=iQ5qJrtxWzs
        Dazu die Lektüre:
        http://www.atimes.com/article/.....yuja-wang/

        Ich vermute, dass Ihre Töchter in einer ostasiatischen Lernkultur besser aufgehoben wären als in der neudeutschen, zumal in der Berliner Schrumpfkultur.

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        Roland Ziegler
        21. Februar 2017 10:03

        @blonderhans: Das kommt darauf an. Bei speziellen Gymnasien – z.B. mit Schnelllernklassen, musikalischer Ausprägung, Sportgymnasien, altsprachlichen Gymnasien – ist ein objektiveres Auswahlverfahren als der elterliche Wille unbedingt sinnvoll. Aber auch ganz allgemein bei Gymasien. Denn genauso wie die Grundschullehrer von ihrer Schule überzeugt sind, sind auch die Eltern von der Leistungsfähigkeit ihrer Kinder überzeugt. Beides entspricht oft nicht der Wirklichkeit. Außerdem stellt so eine Aufnahmeprüfung ein herausforderndes ereignis dar. Man bereit sich darauf vor, hat Angst, absolviert die dann, indem man die Angst überwindet – und ist stolz auf sich. Das ist sehr gut. Wenn man es nicht geschafft hat, hat man im nächsten Jahr abermals die Chance.

        @Othmar Kaufmann: Ich kann mir Ihre Links grad nicht ansehen, aber bin kein Freund von der ostasiatischen Lernkultur. Ich kenne Fälle, wo Kinder gedrillt und geschlagen werden, wenn sie ihre Leistungen nicht erfüllen und den Vorstellungen der Eltern nicht entsprechen. Das finde ich ganz furchtbar, eigentlich das schlimmste überhaupt. Man muss Anreize schaffen, wie bei einer sportlichen Herausforderung. Ein Eignungstest ist durchaus ein geeigneter Anreiz. Aber wenn es dann nicht klappt oder das Kind partout keine Lust hat, sollte das nicht schlimm sein.

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        derblondehans
        21. Februar 2017 15:00

        R.Z.: ‚Das kommt darauf an. Bei speziellen Gymnasien – z.B. mit Schnelllernklassen, musikalischer Ausprägung, Sportgymnasien, altsprachlichen Gymnasien – ist ein objektiveres Auswahlverfahren als der elterliche Wille unbedingt sinnvoll … hab‘ ich doch geschrieben, NC, Numerus clausus. Ein bestandener ‚Idiotentest‘ berechtigt in MV, z.B., für Europaschule/Gymnasium schon ab 5. Schuljahr für die Hochbegabtenförderung.

      • Was sind denn schnellere Klassen?, dachte ich, und wieso schreibt er drei -l-?
        Schnell-Lernklassen. Was verlangt man von Bürokratien, die es fertigbringen, den dritten gleichen Konsonanten wieder einzuführen? Die alte Regel war sehr gut. Das ist doch unlesbar. Wer sowas mit der Sprache macht, kann’s auch nicht mit Schulen.

        Und was Herr Werner da beschreibt, halte ich für skandalös. Wenn man nicht mehr bestimmen kann, auf welches Gymnasium das Kind gehen soll, braucht man ja keine Kinder zu bekommen. Kinder sind kein Staatseigentum, auch wenn der Staat das gern so hätte. Wie war das noch gleich mit „Mein Bauch gehört mir“? Ja, aber bitteschön auch andersherum. Herrjemine, diese widerlichen Bürokraten. Nur so war Eichmann möglich.

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        Roland Ziegler
        22. Februar 2017 07:10

        @Oleaner: ich finde auch nicht alles an der neuen Rechtschreibung gut, aber das schon. „Schnellernklasse“ mit 2 l sieht für mich falsch aus und ist unlogisch. „Schnelllernklasse“ mit 3 l finde ich problemlos zu überblicken. „Schnell-Lernklasse“ dürfen Sie auch heute noch schreiben. Gemeint ist, den Lernstoff, der normalerweise für eine Woche konzipiert ist, in schnellerer Zeit zu absolvieren, so dass dadurch ca. 3 Schulstunden frei werden, in denen man dann andere, zusätzliche Themen machen kann. Ich finde, das hört sich erstmal gut an. Es ist nicht immer alles schlechter als früher.

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        Rainer Werner
        22. Februar 2017 09:00

        Gestern hat die Demonstration der Eltern vor dem Rathaus in Kleve stattgefunden. 300 Eltern waren mit ihren Kindern erschienen. Sie hatten Plakate mit phantasievollen Parolen gebastelt: „Keine Lotterie mit unseren Kindern“, „Spiel des Lebens: Ohne uns!“, „Kein Schulroulette“ usw. Die Bürgermeisterin gab zu verstehen, dass man vielleicht doch einen Fehler gemacht habe. Der Protest der Eltern scheint von Erfolg gekrönt zu sein. Die Gymnasien und die Realschule, die die meisten Anmeldungen erhalten haben, dürfen einen weiteren Zug (Klasse)aufmachen, um die Schüler nach ihrem Wunsch aufnehmen zu können. Die Gesamtschulen, die von den Eltern „abgewählt“ worden sind, müssen ihre Qualität durch gute Arbeit unter Beweis stellen. Ich kenne in Berlin Gesamtschulen, die so gut arbeiten, dass sie von benachbarten Gymnasien Schüler „absaugen“. Also auch das ist möglich. In der Konkurrenzsituation, in der Schulen heutzutage miteinander stehen, hilft nur gute Unterrichtsarbeit und gute Lernergebnisse, um Schüler anzulocken.
        Ein Umstand hat sich im Schulkampf von Kleve wieder einmal bestätigt: Der Elternprotest ist eine scharfe Waffe, vor der Politiker meistens kapitulieren, vor allem im Vorfeld einer Wahl.
        Ich wünsche den Schülern – egal an welcher Schule sie ihren schulischen Werdegang fortsetzen – viel Erfolg beim spannenden Weg in die Welt des Wissens.
        R.W.
        Hier ein Bericht aus der Rheinischen Post zum Elternprotest in Kleve.
        http://www.rp-online.de/nrw/st.....-1.6623751

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        derblondehans
        22. Februar 2017 09:31

        …puuuh, wat die rot-grünen Boulettenfresser alles können, ‚Lernstoff in schnellerer Zeit absolvieren‘. Da bekommt selbst Einsteins Relativitätstheorie vor Staunen Klüsen wie 60er Kesselnieten. Wa‘?

        Das kenn ich übrigens noch aus der ‚DDR‘: ‚ein hon‘, das war die Zeit, die im Sprint vom Sessel zum Fernseher, zurück zum Sessel benötigt wurde, um ihn um- oder auszuschalten. Genau dann, wenn Der schwarze Kanal begann. Warum kann ich nur nicht lachen, wenn ich ‚Sudel-Ede‘ heute sehe?

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        Roland Ziegler
        22. Februar 2017 11:16

        @blonderhans: Ihnen täte mal eine Entideologisierungskur gut, die genauso wie die Rosskur gegen Gutgläubigkeit gegen geringe Kosten frei erhältlich ist. Nicht alles ist in Kategorien linksrotgrünschlecht und gut einteilbar. Schnelllernklassen haben mit Rotgrün nichts zu tun, stattdessen viel mit interessanterem Unterricht.

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        Klaus J. Nick
        22. Februar 2017 11:34

        @hans
        „Schnelllernklassen“
        Das nennt man ‚gestaltende Politik‘. Wer (wie ich lange, viel zu lange) gedacht hat, ‚grüne‘ und ‚rote‘ Politik hätte auch nur ansatzweise etwas mit einer menschlichen Grundeinstellung zu tun, mit Fürsorge für den Nachwuchs, mit Chancengleichheit, mit Individualität, mit Freiheit, mit Aufbruch.. zu tun – genau, der landet bei ‚Schnelllernklassen‘. Ich glaube, besser kann man das moralische Versagen der frostigen grünroten Technokratie nicht beschreiben. Dann doch lieber der gute alte – wenigstens ehrliche – Konkurrenzkapitalismus.

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        Rainer Werner
        22. Februar 2017 15:15

        Schnelllernklassen sind Klassen, in denen die Schüler, die überragende Geistesgaben haben (hoher Intellekt, schnelle Auffassungsgabe), zusammengefasst werden, um mit ihresgleichen gemeinsam anspruchsvolle Stoffe durchzunehmen. Ich habe selbst schon in einer solchen Klasse unterrichtet und festgestellt: Es ist eine wahre Freude zu erleben, wie diese Schüler knifflige Fragen lösen, wie sie mitunter so „quer“ denken, dass es den Lehrer verblüfft, weil er auf diese Idee selbst nicht gekommen wäre. Diese Schüler entgehen durch diese Klassen der Langeweile, die heterogene Klassen den guten und schnellern Lernern immer bereiten.
        Schnelllernklassen kann man in jeder Schule einrichten, weil die „Schnelligkeit“ ja relativ ist. Sie bedeutet an einer Hauptschule etwas anderes als an einem naturwissenschaftlichen Gymnasium. Das Prinzip ist aber überall dasselbe. Nach meiner Erfahrung werden in rot-grün regierten Bundesländern solche Klassen mit Misstrauen beäugt, weil sie ja eine positive „Selektion“ darstellen, also dem Prinzip „gleiches Lernen für alle“ widersprechen.

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        Roland Ziegler
        22. Februar 2017 15:57

        So ist es, Herr Werner. Und die Tatsache, dass Rotgrün diese Schnelllernklassen mit Misstrauen beäugt, bedeutet für Oleander, denblondenhans und KJN die unmittelbare Umwertung dieser Schulform vom Schlechten ins Gute.

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        derblondehans
        22. Februar 2017 16:53

        … 😉 Hr. Werner, nix für ungut, ich weiß was Sie und auch R.Z., meinen. Ich habe nix gegen ‚Schnelllernklassen‘. Im Gegenteil. Hätte R.Z. geschrieben, Lernstoff in kurzer oder weniger Zeit, als ‚üblich‘, zu bewältigen, hätte mein Hamster Einstein nicht erwähnt. Was ist also die Zeit?

        @R.Z.

        … wenn rot-grün fragt warum? – noch ’ne Doublette.

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